Kategorie-Archiv: Pfarrblatt

Mitteilungsblatt März 2017

Ins Wasser gehen

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Jeden Sommer meiner Kindheit verbrachten wir an einem See. Als ich etwa sieben oder acht Jahre alt war, ging ich eines Tages immer weiter ins Wasser hinein. Es reichte mir bis zur Brust, bis zum Hals, schließlich bis zum Mund. Dann habe ich den Boden unter den Füssen verloren und entdeckt, dass mich das Wasser trägt. So habe ich Schwimmen gelernt. Ich habe gelernt, den festen Boden unter den Füssen zurückzulassen. Wie das gelungen ist, wundert mich manchmal. Offenbar habe ich früher schon die Erfahrung gemacht, dass ich gehalten und getragen bin, dass mir nichts passieren kann. So konnte ich den Boden unter den Füssen aufgeben und entdecken, dass das fremde Element mich trägt.

Ich, noch kein Jahr alt, in den Armen meiner Mutter. Ich als Kind an der Hand meines Vaters. Ich als Einjähriger am Tisch vor der mit einer Kerze verzierten Torte, auf einem Sessel stehend, die Rechte auf dem Tisch, die Linke heftig bewegend. Allein auf dem Bild, im Sonnenlicht des 5. März 1954, auf der Plattform des Trompeterturms, die Stadt weit unter mir. Und dabei sehr entschieden und munter. Die Eltern standen ja vor mir, unsichtbar auf dem Foto aber mir gegenwärtig. So ist es geblieben. Die Eltern, die Schwester, viele Menschen um mich herum sind unsichtbar geworden, bleiben mir aber gegenwärtig. Und sagen mir immer neu: Du wirst getragen, dir kann nichts passieren.

Wer nicht bereit ist, den Boden unter den Füssen zu verlieren, wer nicht bereit ist, Liebgewordenes aufzugeben, wird nicht lernen zu schwimmen. Er wird nicht die Erfahrung machen, in einem Element zu leben, das ihn trägt. Ich werde getragen. Wenn ich aber mit dem Gold all meiner Sicherheiten ins Wasser gehe, dann geh ich zugrunde. Wenn ich nicht Besitz und Eigenes loslasse, werde ich die Erfahrung des Getragenwerdens nicht machen. Auch die Einteilung der Menschen in Freund und Feind, in Zugehörige und Fremde fallen eines Tages weg. Ich kann das Terrain der klaren Einordnungen verlassen und entdecke, die Gemeinschaft der Anderen trägt mich und ist voller Wunder.

Alle Menschen kommen aus einer großen Geborgenheit. In der Begegnung mit ihnen kann ich ihnen einen Hauch dieser Geborgengeit weitergeben, in guten Gedanken, in Worten, in aufmerksamen Gesten. Ich gehe immer tiefer ins Wasser hinein und entdecke, das Wasser trägt. Schließlich habe ich keinen Boden mehr unter den Füssen und alles losgelassen. Doch das Wasser trägt. Es trägt alle, die sich ihm anvertrauen. Alle, die ins Wasser gegangen sind. Das Wasser trägt. Wenn ich das weiß, habe ich Gott gefunden.

Gustav Schörghofer SJ

Mitteilungsblatt Februar 2017

Jesus entdecken

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Im christlichen Glauben geht es primär nicht um Spiritualität, Transzendenz, Beziehung zum Überirdischen, Erfüllung von Geboten und Anerkennung einer höchsten Herrschaft Gottes, also um all das, was normalerweise mit Religion in Verbindung gebracht wird, sondern um eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Wo diese Beziehung gefunden wird, lebt und wächst der Glaube. Wo sie nicht gefunden wird, wandelt sich Glaube zu religiös motiviertem Denken und Handeln. Religion aber ist ambivalent, sie kann Leben fördern oder vernichten. Der Jesus Christus der Evangelien ist religionskritisch. Seine Lehre führt in das religiös motivierten Denken und Handeln unterscheidende Kriterien ein. Wer als Glaubender in einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus steht, wird den Forderungen der Religion kritisch begegnen. Kritisch bedeutet, diesen Forderungen gegenüber ein unterscheidendes Denken anzuwenden.

Das entscheidende Kriterium einer Unterscheidung ist, ob Leben gerettet oder vernichtet wird. Wird durch das Denken, Reden und Tun Lebensraum eröffnet oder verengt? Wird neues Leben ermöglicht oder verweigert?

In den säkularisierten Kulturen Europas herrschte bis vor kurzem die Vorstellung, Religion sei ein Phänomen, das langsam verschwinden werde. Doch ist das Gegenteil eingetreten. Religion beherrscht immer mehr das öffentliche Bewusstsein. Daran wird sich in Zukunft nichts ändern. Es zeigt sich allerdings, dass Religion ein äußerst vielfältiges und vieldeutiges Phänomen ist. Von der Spiritualität  selbstverliebter Erlösungssucher reicht sie bis in die Bereiche gewalttätiger Fanatiker. Es genügt nicht, einen Sinn für Transzendenz zu haben, an etwas Übersinnliches zu glauben oder sich Geboten Gottes blind zu unterwerfen. Es genügt nicht, religiös oder nicht religiös zu sein. Wie kann ich in der gegenwärtigen Situation unterscheiden und das erkennen, was die Mystik den Willen Gottes nennt? Eine Möglichkeit, und ich denke die entscheidende, ist, Jesus zu entdecken, ihn in unserer Zeit neu zu entdecken.

Vielfach wird heute von kirchlicher Seite das Verschwinden des Glaubens beklagt. Wer sagt aber, dass ein Verschwinden traditioneller Formen von Religionsausübung gleichzusetzen wäre mit einem Verschwinden des Glaubens. Wäre es nicht denkbar, dass Glaube, eine persönliche Beziehung zu Jesus, heute in ganz anderer Weise zum Ausdruck kommt als in früheren Jahrhunderten? Möglicherweise steht einer Neuentdeckung Jesu auf Seiten der Kirche gerade eine auf überkommene Formen fixierte Wahrnehmung entgegen. Wie kann ich Jesus heute neu entdecken? Darum wird es in diesem Jahr gehen.

Gustav Schörghofer SJ

Mitteilungsblatt Jänner 2017

…von sehr großer Freude erfüllt

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Ein kleines unscheinbares Ereignis brachte an Weihnachten vor 70 Jahren Glanz in die Stadt, die immer noch vom Krieg gezeichnet war. Franz Pollheimer aus der Josefstadt berichtet davon, dass seine zwei kleinen Buben neben bescheidenen Spielsachen auch weiße, lange Nachthemdlein vom Christkind geschenkt bekommen hatten. Einige Tage nach dem Heiligen Abend wollte der Ältere sein Nachthemd als ein Unterkleid für ein Königskostüm verwenden und erbat sich von seiner Mutter einen bunten Königsmantel dazu. Aus einem Fahnentuch fertigte sie einen Umhang und versah den Saum mit alten Goldborten. Eine bunte Schärpe um die Mitte sowie eine vom Buben selbst gebastelte goldene Papierkrone vervollständigten den kindlichen Königsornat. Der Jüngere wollte seinem Bruder in nichts nachstehen und ließ sich von seiner Mutter als Prinz verkleiden. Als die beiden kleinen Könige beim Spielen das Wohnzimmer zum Thronsaal verwandelten und die Eltern sie schmunzelnd betrachteten, sagte Frau Pollheimer ganz beiläufig zu ihrem Mann: “Wenn wir nun einen dritten Buben hätten, könnten sie miteinander sternsingen gehen.” Sie sollte nicht im Mindesten ahnen, was sie damit einst auslösen würde. In der Nachbarschaft wurde ein dritter Bub aufgetrieben und eingekleidet. Franz Pollheimer, der das Sternsingen aus seiner Obersteirischen Heimat kannte, sorgte sich darum, dass ein paar Lieder herbeigeschafft und erlernt wurden. Seine Frau bastelte noch einen goldenen Stern. Und dann machte sich die kleine Gesandtschaft auf zu den Nachbarn. Es muss eine freudige Überraschung gewesen sein. Viele Menschen waren damals vor Freude gerührt und dankbar, dass ihnen die Buben singend und spielend eine frohe Botschaft brachten. Sie trugen den Stern in die Welt und machten damit das Wien der Nachkriegszeit ein klein wenig heller.

Was mit den Pollheimers im Winter 1946/47 begann, fand in den Jahren darauf Anklang in den umliegenden Pfarren. Man sammelte für einen sozialen Zweck, anfangs für den Wiederaufbau des Wiener Stephansdoms. Seit 1954 organisiert die Katholische Jungschar das Sternsingen. Die Dreikönigsaktion ist mittlerweile die größte jährlich stattfindende Hilfsaktion in Österreich – 2016 wurden 16,7 Mio Euro „ersungen“. Unter dem Motto „Kinder helfen Kindern“ unterstützt die DKA mit den gesammelten Spenden rund 500 Projekte in 20 verschiedenen Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Neben dem Geld darf allerdings nicht vergessen werden, dass heute rund 85.000 Kinder singend von Haus zu Haus ziehen, den Segen Gottes zu den Menschen bringen und die Frohe Botschaft in der Welt verkünden.

Auch bei uns in der Pfarre sind jedes Jahr viele Jungschar-Kinder und andere, begleitet von Jugendlichen unterwegs. Bei Wind und Wetter ziehen sie durch die Straßen von Lainz und Speising, gehen zu jedem Haus und klopfen an jeder Tür. Sie sind ein lebendiges Zeichen dafür, dass die Botschaft der Liebe sich voller Freude und Begeisterung auf den Weg macht – eine Botschaft, die unsere Stadt, unser Land, ja die ganze Welt verwandeln will in das Licht und den Glanz eines Kindes, unseres Herrn und Gottes, Jesus Christus, dessen Erscheinung wir am 6. Jänner feiern.

P. Philipp Görtz SJ

Mitteilungsblatt Dezember 2016

In der Nacht

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Manchmal wache ich auf, mitten in der Nacht. Es ist still, sehr still, nie dunkel. Es wird nicht mehr dunkel in unseren Städten. Auf dem Land vielleicht, in fernen Tälern, auf Bergen, da verschlingt das Dunkel alle Gestalt. In der Stadt ist immer Licht. Ich liege wach und weiß: Ich werde nicht mehr einschlafen. So stehe ich auf, braue Tee und lese und bete. Dann schlafe ich wieder. Verdrossen stehe ich auf, froh lege ich mich nieder. Wie kann es sein, dass in dieser kurzen Zeit eine wunderbare Freude entsteht?

Die Nacht gilt als Ort der Ungeheuer. Verbrechen geschehen im Dunkel, und wer Unrecht tut, scheut das Licht. In der Nacht werden die Dämonen auf uns gehetzt, die bösen Geister quälender Heimsuchungen. Doch mir begegnen in der Nacht auch die guten Geister. Der Daimon der Griechen war nicht böse, er hielt im Inneren des Menschen den Weg offen und warnte vor Verirrungen. Hellsichtig zeigte er, welcher Weg nicht zu gehen war. Sokrates gehorchte seinem Daimon. Doch ich erfahre noch mehr. In der Nacht ahne ich die Ankunft einer neuen Welt. Mir ist es immer wieder so, als würde ich an etwas rühren, das groß und wunderbar in der alltäglichen Welt bereits gegenwärtig ist, aber nicht wahrgenommen, nicht erkannt wird. In der Nacht kommt es mir nahe. Warum in der Nacht?

Wer aufwacht in der Nacht, ist fern der anderen Menschen, die schlafen in warmen Betten oder unter Brücken. Er ist allein und doch auf geheimnisvolle Weise mit vielen verbunden, die wachen wie er. Was es heißt zu erwachen, aufzuwachen, das ist auch am Tag zu erfahren. Doch am schönsten ist diese Erfahrung in der Nacht zu machen, wenn ich aus dem Dunkel von Schlaf und Traum auftauche ins Dunkel der nächtlichen Welt. Und nächtlich ist die Welt auch dort noch, wo viele Lichter brennen. Wachend kann ich die Gegenwart anderer erfahren. Ich kann die Ankunft einer Botschaft erleben. Denn nichts lenkt ab, keine Übermacht des Sichtbaren und des zu Hörenden. Ich bin offen für das, was auf mich zukommt.

Advent bedeutet Ankunft, Entgegenkommen. Die Nächte des Advent bereiten uns auf eine Ankunft vor. Sie und alle Nächte unseres Lebens können uns daran erinnern, dass wir immer Wachende sind, immer Ausschau halten, immer auf etwas ausgerichtet, das uns aus dem Jenseits der Fakten unseres alltäglichen Lebens entgegenkommt. Sie erinnern uns daran, dass wir im Argen sind und der Heilung bedürfen. Und sie lassen erfahren, dass Heilung geschieht. Sie geschieht mitten im Alltag, im Gewöhnlichen unseres Lebens, oft unerkannt, unerhört. Die in der Nacht Wachenden sind hellsichtig und hellhörig dem zugewandt, was auf sie zukommt. Die Ankunft des Heilands geschieht in der Nacht. Das ist der Grund meiner Freude.

Gustav Schörghofer SJ

Mitteilungsblatt November 2016

Wir finden immer

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Wenn von Dingen des Glaubens die Rede ist, kommen immer wieder die Sehnsucht und das Suchen ins Spiel. Sehnsucht nach Gott, Sehnsucht nach erfülltem Leben, Suchen nach Sinn, nach Liebe – die Sehnsucht treibt voran, von einem zum anderen, eine nie endende Suche. Nie wird die Sehnsucht gestillt. Nie kommt die Suche an ein Ende. Der Suchende kommt nie an. Vom eigenen Ungenügen ausgefüllt wirken die Suchenden wie jene unscheinbaren Ballbesucherinnen, die nie zum Tanz aufgefordert werden, die nie Beachtung und Bewunderung finden, die sich mit einem Leben am Rand schon längst abgefunden haben und doch eine stille Glut in sich bergen, eine verborgene Sehnsucht, dass es einmal noch anders komme. Selbstverständlich spielt im Glauben die sehnsüchtige Suche eine große Rolle. Was aber, wenn sie zur Gewohnheit wird? Wenn ich gar nicht mehr merke, dass ich immer wieder auch finde? Jede intensive Suche führt in die Fülle des Findens. Was geschieht mit mir, wenn mir die Fülle dessen bewusst wird, was ich in meinem Leben gefunden habe und täglich neu finde?

Die Bibel ist vor allem ein Buch des Findens. Gott findet sich ein Volk, er findet dieses Volk immer neu. Das Volk Israel findet Befreiung, es findet ein Land, es findet immer wieder Hilfe und findet immer wieder zurück zu Gott. Die Hauptbeschäftigung Jesu ist das Finden. Die Gleichnisse vom Himmelreich kreisen um das Finden. Der Schatz im Acker und eine kostbare Perle werden gefunden. Das verlorene Schaf und verlorenes Geld werden gefunden. Jesus findet die Apostel, er findet die Menschen in Not, die Kranken, die Leidenden, die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten. Er findet seine Gegner und er findet zuletzt auch seinen Tod. Das Finden Jesu hat etwas Kreatives, es zeigt, wie wunderbar er mit den Gegebenheiten der Welt umgehen, sie gestalten konnte. Da immer gefunden wird, geht von Jesus ein Glanz aus, als würde er ständig die Freude eines Festes in sich bergen. Er findet Schönheit dort, wo andere nur Dreck sehen, er findet Glauben dort, wo andere nur Ungenügen wahrnehmen, Fülle, wo andere nur Mangel erkennen. Das Finden Jesu hat etwas Sieghaftes.

Die Verwandlung meines Lebens kann durch Teilnahme am Finden Jesu geschehen. Ich kann mich in die Schule seiner Hellsichtigkeit, seiner Hellhörigkeit begeben. Der November eignet sich wunderbar dazu, im Grau den Zauber nie wahrgenommener Farbnuancen zu entdecken, im Dunkel das Bergende zu genießen und im Nieselregen das nie endende Entgegenkommen einer behutsamen Gnade zu ahnen. Und vielleicht bekommt auch der Satz „Sie hat den Tod gefunden“ ein ganz neues Gewicht. Denn in ihm wird gesagt, dass sich jemand als Suchender auf sein Ende zubewegt und das ihm Begegnende schöpferisch gestaltet. Dann ist auch hier ein Fest zu finden, eine nicht zu sagende Erfüllung.

Gustav Schörghofer SJ

Mitteilungsblatt Oktober 2016

Wieder am Beginn

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Ich höre eben die Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach und erinnere mich an einen Sommer vor vielen Jahren. Damals habe ich diese Musik entdeckt, bei einem Freund am Attersee. Die anderen lagen unten am Wasser. Ich bin im Haus geblieben und habe einige Schallplatten gefunden, eine Aufnahme der Suiten mit Pablo Casals. Mit wachsendem Staunen habe ich eine Schallplatte nach der anderen angehört.

Vor Jahren war ich bei den Kleinen Schwestern eingeladen. Auf einem Tisch lagen ein paar Kastanien, die eine der Schwestern von einer Wanderung mitgebracht hatte. Sie waren noch in ihren grünen Schalen. Durch einen Spalt schaute mich das wunderbare Braun an, als öffnete sich die stachelige Frucht einem Auge gleich. Im Einfachen ist eine wunderbare Schönheit zu entdecken. Diese Entdeckung verdanke ich den Kleinen Schwestern, und jedes Jahr freue ich mich seitdem auf die Zeit der Kastanien. Dann nehme ich mir die nicht geborstenen Früchte nach Hause oder bring sie Freunden als Gastgeschenk mit. Die stachelige Kugel tut sich auf und umfangen von einer weißen Hülle schaut mich das Innere an.

Irgendwann einmal habe ich aufgehört, in Gott und Jesus Christus einen Vorwurf an mein Leben zu sehen, die Aufforderung, anders zu sein, ein Besserer zu sein als ich es bin. Ich habe entdeckt, dass Jesus mir entgegenkommt, nicht einem, der besser ist als ich, sondern mir, so wie ich bin und gerade dort, wo ich bin. Wenn ich dort bin, wo ich bin, und wenn ich so bin, wie ich bin, dann laufe ich dem Entgegenkommenden nicht davon, dann erfahre ich das Entgegenkommen Jesu, wie es nun einmal geschieht. Es geschieht in der gesammelten Gegenwart des Einfachen. Es geschieht dort, wo ich mich vom Wunsch, etwas zu haben, frei gemacht habe. Es geschieht dort, wo ich mich vom Wunsch, ein anderer zu sein, frei gemacht habe. Es geschieht also dort, wo ich bei mir bin, ganz einfach bei mir bin. Die Cello-Suiten und die Kastanien helfen mir dabei. Die Vögel helfen mir dabei, die Menschen in der U-Bahn und die vielen, denen ich Tag für Tag in der Pfarre begegne.

Die große Entdeckung dieses Sommers war für mich, dass der Zugang zu allen Wundern im Einfachen zu finden ist. Ich verstehe die Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach nicht. Aber ich weiß, dass sie einfach sind und mit vollendeter Einfachheit gespielt werden müssen. Ich verstehe die Kastanien nicht. Aber was mich hier anblickt, vor meinen Augen geschieht, das führt mich ins Einfache, macht mich einfach. Das Entgegenkommen Jesu ist mir völlig unbegreiflich. Es erreicht mich im Einfachen. Ich kann es nur staunend geschehen lassen. Doch damit fängt es ja an. Damit wird alles neu.

Gustav Schörghofer SJ

 

Mitteilungsblatt September 2016

Die Mulde der Hingabe

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Die Steinplatte ist etwa einen Meter lang, 70 cm breit und 6 cm dick. Der Stein ist weiß, ein schö-ner Marmor, vielleicht aus Laas. Die Platte bildet die letzte Stufe zu einer Tür, die den Kreuzgang des Brixner Doms mit dem Kircheninneren verbindet. Wer aus dem Dom kommt, tritt auf die Schwelle und über den weißen Marmor und zwei Treppen kommt er in den Kreuzgang. Schön ist es, den Weg in beide Richtungen zu gehen. Immer kommt man aus einer zauberhaften Welt in ei-ne andere. Aus der reichen Bilderwelt des späten Mittelalters tritt man unter den rauschhaften Jubel eines barocken Himmels. Aus dem weiten Raum der Kirche kommt man unter die niedrigen Gewölbe des Kreuzgangs, aus der dichten Geborgenheit in eine bergende Weite. Lange hätte ich so hin und her gehen können. Immer über den weißen Marmor.
Viele sind über den weißen Marmor gegangen. Er ist fast völlig durchgetreten. Die zahllosen Schuhe und Füße haben 5 cm des Steins abgetragen. Eine Mulde ist entstanden. Immer neues Gehen über eine Schwelle, immer neues Eingehen in einen Raum, immer neues Hineingehen in eine Zone des Gebets, der Ehrfurcht, des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe. Eine Mulde des Ver-trauens, eine Mulde der Hingabe. Der Stein legt Zeugnis ab. Er spricht nicht nur von Vergange-nem, er weist auch in die Zukunft. Wer hier geht, vertraut sich dem Alten an und weiß, es wird ihn in Zukunft begleiten. Was gewesen ist, macht Zukunft möglich.
Verwurzelung bedeutet, um die eigene Herkunft zu wissen und in dieser Herkunft die Ermögli-chung von Zukunft zu erfahren. An das erste Jahr meines Lebens kann ich mich nicht erinnern. Doch ist dieses erste Jahr in mir, das Wissen um eine große Liebe, um Weite und Geborgenheit. Was ich erfahren habe, ist in mir gewachsen, so weit, dass ich es weitergeben kann. Ich kann nicht in mein erstes Jahr zurück, aber ich erwarte hinter jeder Tür neue weite Räume der Liebe und Ge-borgenheit. Ich erwarte sie, weil es die Räume meines Inneren sind. So gehe ich durch Tür und Tür, immer neu über Schwellen. Weil ich aus der Liebe komme, gehe ich auf die Liebe ein. Ich will nicht ohne die anderen gehen, nicht ohne die Menschen, nicht ohne die Geschöpfe und Dinge dieser Welt. Ich will mit ihnen gehen.
Wie viele Menschen waren es, die über den Stein gegangen sind? Wie viele Tiere sind über ihn gegangen? Staub und Wind haben den Stein abgearbeitet. Der Stein liegt offen. Er gibt sich preis. Er lässt sich aufzehren. Si consuma sagen die Italiener. Er konsumiert sich. Nicht wir ihn, sondern er sich für uns. Die Mulde der Hingabe. Konsum lässt sich auch ganz anders verstehen, als wir es heute gewohnt sind. Die Alternative zur Konsumgesellschaft ist eine andere Konsumgesellschaft. Der September ist im Besonderen der Schöpfung gewidmet. Vielleicht lässt sich vom Stein im Brixner Kreuzgang manches lernen.
Gustav Schörghofer SJ

Mitteilungsblatt Juli und August 2016

Der Sommer ist schön

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Was heißt das: Jesus entdecken? Jesus hat sich nicht mit sich selber beschäftigt, er war nicht auf der Suche nach sich selbst. Er hat das gesucht, was verloren war. Er hat sich auf die Suche nach den Menschen am Rand der Gesellschaft gemacht, er hat wahrgenommen, was übersehen wurde, die kleinen Dinge, die unansehnlichen Lebewesen, die Verachteten und Übergangenen. In unserer Gegenwart gehört Jesus selber zu ihnen. Er ist in Vergessenheit geraten. Er wird nicht wahrgenommen. Was heißt es, diesen Jesus heute zu entdecken?

Von Berufs wegen müsste ich über diesen „Jesusverlust“ traurig sein. Ich bin es aber nicht. Ich sehe darin eine große Chance. Nur selten in der Geschichte wurde der Kirche eine solche Möglichkeit geboten. Wir können heute die Welt mit Jesus völlig neu entdecken.

Mich fasziniert an Jesus, dass er sich nicht distanziert zur Welt verhält und aus sicherer Entfernung feststellt, dass alles anders werden müsse. Er lässt sich auf die Welt ein. Er erklärt ihr nicht zuerst, was alles verkehrt ist und verbessert werden müsse, sondern er entdeckt in der Welt, in den Menschen dieses Bessere. Es ist ja bereits vorhanden und muss nur zur Entfaltung kommen. Der liebende Blick Jesu auf die Welt entdeckt in ihr eine Schönheit. Er sieht nicht nur die Misere, das Elend, die Erbärmlichkeit und all das Übel. Er sieht inmitten von all dem und verborgen in all dem eine unglaubliche und unfassbare Schönheit. Diese Schönheit spricht er an, diese Schönheit bringt er zur Entfaltung, dieser Schönheit schafft er Raum. Der Beweggrund Jesu für sein Bemühen um die Welt ist eben das.

Jesus entdecken bedeutet daher, die Welt mit seinen Augen sehen, mit seinen Ohren hören, mit seinen Sinnen wahrnehmen lernen. Werner Bergengruen hat in seiner Grabrede für Reinhold Schneider ein Gedicht des Persers Nisami erwähnt, von Goethe im Westöstlichen Diwan überliefert: alle des Wegs Kommenden schelten auf das stinkende Aas des daneben liegenden Hundes, Jesus aber sagt nur: „Die Zähne sind wie Perlen weiß.“ Diese Geschichte enthält einen wesentlichen Hinweis darauf, wie Jesus die Welt gesehen hat. Er hat nicht verurteilt, gewiss nicht. Er hat aber wesentlich mehr getan. Er hat in den niedrigen Seiten der Wirklichkeit, in dem, was verachtenswert und verwerflich erscheint, eine Schönheit entdeckt. Jesus heute entdecken bedeutet für mich, mit ihm diesen Blick auf die Welt einüben. Schönheit kann ich nicht herstellen. Sie ist bereits da. Ich muss sie bloß entdecken. Ich werde sie entdecken, wenn ich die Welt mit den Sinnen Jesu wahrnehme.

Einen schönen Sommer!                                                            Gustav Schörghofer SJ

Mitteilungsblatt Juni 2016

Umweltenzyklika „Laudato Si” – Gesprächsabende in der Pfarre

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An sechs Abenden studierten wir die Enzyklika in wechselnd zusammengesetzter Runde. Umfassend und kritisch legt Papst Franziskus seine „Sorge um das gemeinsame Haus” darin vor. Er öffnet uns die Augen für einen anderen Blick auf die Schöpfung. Er fordert unsere Umkehr, d.h. ungerechten, egoistischen und das Gemeinwohl missachtenden Wirtschafts- und Lebensformen zu widerstehen. Aus unserer Leseerfahrung sei an Hand von Textstellen aus der Einleitung ein Schwerpunkt mit Ihnen geteilt:

Der Heilige Franziskus als Vorbild für eine ganz andere Haltung zur Schöpfung (LS, 10 bis 12)

„Ich glaube, dass Franziskus das Beispiel schlechthin für die Achtsamkeit gegenüber dem Schwachen und für ei-ne froh und authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie ist. […]Er zeigte eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber der Schöpfung Gottes und gegenüber den Ärmsten und den Einsamsten. Er liebte die Fröhlichkeit und war wegen seines Frohsinns, seiner großzügigen Hingabe und seines weiten Herzens beliebt. Er war ein Mystiker und ein Pilger, der in Einfachheit und in einer wunderbaren Harmonie mit Gott, mit den anderen, mit der Natur und mit sich selbst lebte. An ihm wird man gewahr, bis zu welchem Punkt die Sorge um die Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den Armen, das Engagement für die Gesellschaft und der innere Friede untrennbar miteinander verbunden sind.[…] Er trat mit der gesamten Schöpfung in Verbindung und predigte sogar den Blumen.[…][..]denn für ihn war jedes Geschöpf eine Schwester oder ein Bruder, ihm verbunden durch die Bande zärtlicher Liebe. Deshalb fühlte er sich berufen, alles zu hüten, was existiert.[…]

Diese Überzeugung darf nicht als irrationaler Romantizismus herabgewürdigt werden,[ …] Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen. Wenn wir uns hingegen allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen. Die Armut und die Einfachheit des heiligen Franziskus waren keine bloß äußerliche Askese, sondern etwas viel Radikaleres: ein Verzicht darauf, die Wirklichkeit in einen bloßen Gebrauchsgegenstand und ein Objekt der Herrschaft zu verwandeln.[…]

Franziskus forderte im Konvent immer einen Teil des Gartens unbebaut zu lassen, damit dort die wilden Kräuter wüchsen und die, welche sie bewunderten, ihren Blick zu Gott, dem Schöpfer solcher Schönheit erheben könnten.”

Fehlt uns für das Staunen die Zeit? Finden wir den Ausdruck Mitgeschöpfe alarmierend angesichts des Verbrauchs an Tieren und Pflanzen? Sprechen wir die Sprache der Geschwisterlichkeit und Schönheit zum Beispiel an unserem Arbeitsplatz, durch Rücksichtnahme für Kolleginnen oder in einer Wertschätzung einer guten Gestaltung der Büro-räume? Sehen wir die Schöpfung als ein Zeichen der Liebe Gottes für uns? Würden wir einen Teil des Gartens nicht mähen um Kleintieren und Insekten Lebensraum zu lassen? Haben wir schon genug Platz für Flüchtlinge einge-räumt?

Viele Fragen? In der Enzyklika finden sich Antworten. Sie sind eingeladen diese über die Einleitung hinaus weiter-zulesen.

Renate Meissl, UMB der Pfarre

 

Mitteilungsblatt Mai 2016

Jungschar als Freiraum

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Die letzten Wochen waren für uns Jungschar-GruppenleiterInnen eine intensive und spannende Zeit. Einen Nachmittag lang haben wir das kommende Sommerlager vorbereitet und geplant. An einem weiteren Tag haben wir uns getroffen, um mit externer Moderation über den Jungscharbetrieb im Allgemeinen zu diskutieren, zu sammeln was gut läuft und zu überlegen, was wir optimieren wollen. Ein guter Moment um darzustellen, wie wir Jungschar leben:

In der Jungschar Lainz-Speising sind aktuell 17 Jugendliche und junge Erwachsene freiwillig als Grup-penleiter und Gruppenleiterinnen tätig. Wir sind SchülerInnen und Studierende, die sich einmal die Woche Zeit nehmen, um für Kinder und Jugendliche im Pfarrgebiet einen Nachmittag zu gestalten. Warum wir das tun? Viele von uns sind selbst mit der Jungschar groß geworden, haben hier Freund-schaften geschlossen und das Jungscharheim als zweites Zuhause erlebt. Diese positiven Erlebnisse und Erfahrungen möchten wir an die jetzigen Jungscharkinder weitergeben. Ein weiterer Grund ist die große Vielfalt, die die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bietet. Spaß haben, Freizeit gestalten, Gemeinschaft erleben, an die eigenen Grenzen stoßen und darüber hinausgehen, das und viel mehr ist in der Jungschar möglich.

Besonders schön ist es für uns GruppenleiterInnen zu sehen, wie sich die Kinder und Jugendlichen den Raum, das Gebäude, den Garten aneignen und etwas ganz Persönliches daraus machen. Das Jungscharheim ist ein Stück Freiraum, ein Platz zum individuellen Gestalten im oft durchgeplanten und durchstrukturierten Alltag der Kinder und GruppenleiterInnen. Schule, Universität, Beruf, Mu-sikschule, Sportverein und vieles mehr nehmen unseren Alltag in Beschlag und lassen wenig Raum für Spontanität und Kreativität.

Spärlich nur finden sich heutzutage Plätze im öffentlichen Raum, die frei sind von Nutzungsvorga-ben, Orte die dazu einladen kreativ zu werden und aus unseren Denkmustern auszubrechen. Anders ist es hingegen in unserem Offenen Jungscharbetrieb: ganz ohne Spielsachen entstehen hier jeden Freitag Nutzungsideen für Haus und Garten, wie etwa der Bau von Holzhütten und Höhlen, die Ge-staltung eines Blumenbeetes, farbenfrohe Wandbemalungen, Rollenspiele und vieles mehr. So wird das Jungscharheim am Freitagnachmittag zu einer ganz eigenen Welt. Es wird zu einem Freiraum, einem Ort der Freundschaft und Gemeinschaft, den Kinder und GruppenleiterInnen verschiedenen Alters gemeinsam und doch individuell nutzen.

Mirjam Gerstbach

 

Mitteilungsblatt April 2016

Die Jesusmelodie

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Was bewirkt völlige Stille, die Abwesenheit jeder Form von Zuwendung, die über eine mechanische Erhaltung des Lebens hinausgeht? Kleine Kinder sterben, wenn sie kein Entgegenkommen erfahren. Bei Erwachsenen kann die Stille die Erinnerung an all das wachrufen, was sie an Zuwendung erfahren haben. Die Stille kann mich in die Gegenwart jener Liebe gleiten lassen, die von Anfang an mein Leben getragen hat. Es ist kein Stoßen, kein Drängen, kein Zwang, es ist vielmehr ein Gleiten oder Schweben, wie in einem Ballon, von feinen Lüften bewegt.

Ohne Liebe gibt es kein Leben. Die Liebe begleitet und durchdringt den Alltag auf vielfältige Weise. Sie ist in allem zu finden, in allem zu entdecken. Oft aber sind die Alltagsgeräusche zu laut, viel zu laut. Die feine Melodie der Liebe wird übertönt, bleibt versteckt und wird nicht mehr wahrgenommen. Daher ist es gut, manchmal still zu sein. So entsteht ein Gespür für die Musik der Liebe. Wer dieses Gespür entwickelt hat, dem tönt diese Musik in allem entgegen. Und alles nährt in ihm die Fähigkeit des Mitschwingens, des Einstimmens in den großen Gesang.

In der Karwoche und zu Ostern erinnern wir uns des Entgegenkommens Gottes. Ostern knüpft unmittelbar an Weihnachten an, an das Fest der Menschwerdung. Denn zu Ostern nimmt die Menschwerdung ihre reine und endgültige Gestalt an. Erstaunlicherweise ist da nichts Lautes, Pathetisches, Grandioses, Überwältigendes. Die Musik der letzten Tage Jesu ist sehr still. Um Jesus herum ist es laut, geht es ordentlich zu, der ganze Lärm einer aufgeregten Stadt ist zu hören. Doch Jesu Spiel ist leise. Die Zeichen der Hingabe sind zart, fast nur Andeutungen: Fußwaschung, Brot und Wein, die Worte zu seinen Jüngern, das Gebet am Ölberg, die Gefangennahme und das Gericht, Kreuzweg und Kreuzigung. Nur am Schluss ein Schrei – dann wieder Stille. Und die Auferstehung: still, sehr still. Der Auferstandene spricht leise, sehr leise.

Warum ist Gott so leise, warum so verborgen? Er drängt sich nicht in den Vordergrund. Er schenkt Raum. Ich liebe daher die säkulare Welt, unsere scheinbar so gottferne Kultur. Der Vordergrundsgott einer katholischen Kultur, jener Gott, der von vorneherein für klare Verhältnisse gesorgt hat, der die Ordnung von Gesellschaft und Welt klar festgelegt hat, ist verloren gegangen. Oder besser gesagt, er ist nicht verloren gegangen, er hat sich zurückgezogen. Es ist still um ihn geworden. Die Ordnung der Welt haben in unserer Kultur die Menschen in Eigenverantwortung übernommen. Ihr oft lautes Spiel wird von einer leisen Melodie begleitet. Wer Ohren hat zu hören, der hört. Ich will lernen still zu sein. Dann höre ich die Jesusmelodie in dieser säkularen Welt. Ich höre sie überall. Und ich lerne mitzusingen.

Gesegnete Ostern!
Gustav Schörghofer SJ

Mitteilungsblatt März 2016

DIE KRANKENSALBUNG

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 „Der Geist des Herrn ruht auf mir,
denn der Herr hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt,
damit ich den Armen ein gute Nachricht bringe;
damit ich den gefangenen die Entlassung verkünde
und den Blinden das Augenlicht;
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lk 4, 18f)

Was schon im Buch des Propheten Jesaja steht, hat sich in Jesus erfüllt!

Das Wirken Jesu war besonders ausgerichtet auf die Begegnung mit den Schwachen, den Kranken, mit denen, die sich an den Rand gestellt, klein und gebeugt fühlten. Die Berührung mit Jesus richtete auf, wo die Wunde und Gebrechlichkeit zu spüren war.

In all diesen Begegnungen wurde durch Jesus Gottes Wirken an uns sichtbar und zu jeder Zeit an jedem Ort finden wir Zeichen dieses anbrechenden Gottesreiches, wenn wir dem Auftrag folgen:

„Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ (Jak 5, 14f)

Wenn uns auch in der heutigen Zeit die Sakramente in ihrer gelebten Praxis zu entschwinden scheinen, wird aber gerade angesichts körperlicher und psychischer Schwäche im Menschen die Sehnsucht nach heilendem Zuspruch wach. Ob nicht darin auch eine Sehnsucht nach Gottes immerwährender Nähe und nach Jesus, dem Heiland, verborgen ist?

Das Sakrament der Krankensalbung, das lange Zeit nur für das Ende des Lebens stand, ist dafür mitten in unsere Bedrängnis hereingeholt worden als ein Ort der möglichen Heilserfahrung.

Heil nicht im Sinne einer Heilung, die alle Schmerzen, Ängste, Nöte und Grenzerfahrungen hinwegfegt. Heil als Geschenk, um durch den Zuspruch der Heilung durch Jesus Christus einen Horizont für die Annahme der eigenen Schwäche und Krankheit eröffnet zu bekommen und einen Weg vom Dunkel ins Licht erahnen zu dürfen.

Die heilende Wirkung einer Salbe, wie wir sie im Alltag für Wunde und Schmerz kennen, wird zum Zeichen der Stärkung und des Trostes und der Verbundenheit mit Christus, dem Gesalbten.

Mit geweihtem Öl salbt der Priester oder Diakon dem/der Kranken Stirn und Hände und spricht:

„Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünde befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf.“

Indem wir einander die Wunden öffnen und nicht verbergen müssen und einander im Namen Jesu heilende Worte zusprechen, dürfen wir mitwirken, das Reich Gottes und die Barmherzigkeit Gottes sichtbar und spürbar werden zu lassen. „Gott wird in der Geschichte der Menschen immer gegenwärtig sein als der Nahe, der Vorsorgende, der Heilige und Barmherzige.“(Papst Franziskus)

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.“(Mt 11, 28)

Dieser Einladung können sie am Donnerstag, dem 3. März um 15.00 folgen durch die Mitfeier der Krankenmesse und den Empfang der Krankensalbung.

Maria Marschütz