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Mitteilungsblatt April 2017

Los vom Kreuz

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Kreuze und Kruzifixe markieren immer noch Orte, die einst christliches Territorium waren. In Schulen, Krankenhäusern und Gerichtssälen werden sie aber immer mehr in Frage gestellt. Der Staat muss sich in Ausübung seiner Hoheit neutral gegenüber Religionen verhalten. Daher ist das Symbol christlicher Religion im Gerichtssaal fehl am Platz. In öffentlichen Schulen lässt sich darüber reden, ob in den Klassenräumen Zeichen der Religionen zu sehen sein sollen. Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft werden selbstverständlich Kreuze in den Zimmern hängen haben. Warum eigentlich? Warum sollen Kreuze an den Wänden hängen?

Das Kreuz erinnert an eine große Tradition abendländischer Kultur. Es erinnert an die christlichen Ursprünge dieser Kultur. Selbstverständlich tut uns heute eine Erinnerung an die Ursprünge europäischer Kultur gut. Sie ist dringend notwendig, da wesentliche Elemente dieser Kultur in Frage gestellt werden. Aber helfen Kreuz und Kruzifix dabei? Sie sind Zeichen. Das Kruzifix zeigt, dass Gott den Weg in die Welt hinein bis zur äußersten Konsequenz seiner Menschwerdung gegangen ist. Er hat den Tod erlitten, einen schrecklichen, gewaltsamen, schmählichen Tod. Er ist Verbrechern gleich geworden. So einen Gott Tag für Tag vor Augen zu haben, ist keine leichte Sache. Die Christen haben sich längst an seinen Anblick gewöhnt. Die Nichtchristen erinnern sie nun an das Schreckliche dieser Erscheinung.

Das Kreuz ist von alters her ein Siegeszeichen. Das leere Kreuz zeigt, dass hier einer losgekommen ist. Er ist abgenommen und begraben worden. Und – das ist der Kern des christlichen Glaubens – er ist auferstanden von den Toten. Als Siegeszeichen muss das Kreuz aber erst neu entdeckt werden. Früher sind Heere hinter dem Zeichen des Kreuzes ausgezogen. Staatliche Macht wurde unter das Zeichen des Kreuzes gestellt. Doch das ist längst vorbei. Gott sei Dank, sage ich. Um welchen Sieg kann es heute gehen? Es gibt ein Jenseits des Todes. Es gibt ein Leben nach dem Tod. Es gibt ein Leben nach dem Ende.

Christinnen und Christen leben ihr Leben grundsätzlich als ein Leben nach der Niederlage, nach dem Tod, nach dem Untergang. Mit Christus sind wir durch den Tod hindurch in ein neues Leben gegangen. Wir haben den Tod hinter uns und die Liebe vor uns. Freilich muss diese Botschaft im Alltag mühsam buchstabiert werden. Aber durch Zeichen der Versöhnung, Gesten der Zuwendung, Übung der Aufmerksamkeit werden aus Buchstaben Wörter, aus Wörtern Sätze und schließlich Erzählungen, Romane, Dichtungen. Das Zeichen des Kreuzes erinnert daran, dass wir losgekommen sind vom Kreuz. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Uns ist die Sprache neu geschenkt worden, eine Sprache des Lebens und der Liebe. Was sagen wir nun?

Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden.

Gustav Schörghofer SJ